Es war einmal ein Mann, der hatte eine große Reise vor, und beim Abschied fragte er seine drei Töchter, was er ihnen mitbringen sollte.

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Das singende, springende Löweneckerchen

Künstler: Carl Fahringer (Quelle: https://www.kunstkopie.de/a/carl_fahringer/das-singende-springende-loeweneckerchen-172.html)
Es war einmal ein Mann, der hatte eine große Reise vor, und beim Abschied fragte er seine drei Töchter, was er ihnen mitbringen sollte. Da wollte die älteste Perlen(Per·le), die zweite wollte Diamanten, die dritte aber sprach: "Lieber Vater, ich wünsche mir ein singendes, springendes Löweneckerchen (Lerche)." Der Vater sagte: "Ja, wenn ich es kriegenを手に入れる kann, sollst du es haben," küsste alle drei und zog fort(fort|zie·hen). Als nun die Zeit kam時が来た, dass er wieder auf dem Heimweg war, so hatte er Perlen und Diamanten für die ältesten gekauft, aber das singende, springende Löweneckerchen für die Jüngste hatte er umsonst報われない aller Orten gesucht, und das tat ihm leidを残念がらせる, denn sie war sein liebstes Kind.

Da führte(füh·ren) ihn der Weg durch einen Wald, und mitten darin war ein prächtiges豪華な Schloss, und nah am Schloss stand(ste·hen) ein Baum, ganz oben一番上 auf der Spitze des Baums aber sah(ste·hen) er ein Löweneckerchenヒバリ singen und springen. "Ei, du kommst mir gerade rechtちょうどいい時に" sagte er ganz vergnügt und rief seinem Diener, er sollte hinaufsteigen und das Tierchen fangen捕まえる.

(Quelle: https://www.projekt-gutenberg.org/grimm/johannes/chap003.html)
Wie er aber zu dem Baum trat, sprang ein Löwe darunter auf, schüttelte(schüt·teln) sich und brüllte(brül·len), dass das Laub an den Bäumen木の葉 zitterte(zit·tern). "Wer mir mein singendes, springendes Löweneckerchen stehlen will," rief er, "den fresse ich auf(auf|fres·sen)!" Da sagte der Mann: "Ich habe nicht gewusst, dass der Vogel dir gehört, ich will mein Unrecht wieder gutmachen対して賠償をする und mich mit schwerem Gelde身の代金 loskaufen自由の身にする: lass mir nur das Leben!" Der Löwe sprach: "Dich kann nichts retten, alsの限り wenn du mir zu eigen versprichstに約束をする, was dir daheim zuerst begegnet; willst du das aber tunそうするなら, so schenke ich dir das Leben und den Vogel für deine Tochter obendreinそれに加えて." Der Mann aber weigerte sich拒む(wei·gern) und sprach: "Das könnte meine jüngste Tochter sein, die hat mich am liebsten und läuft(lau·fen) mir immer entgegenに向かって, wenn ich nach Haus komme." Dem Diener召使 aber war angst, und er sagte: "Muss Euch denn geradeちょうどその時 Eure Tochter begegnen, es könnte ja auch eine Katze oder ein Hund sein." Da ließ sich der Mann überreden説得される, nahm das singende, springende Löweneckerchen und versprach dem Löwen zu eigen, was ihm daheim zuerst begegnen würde.

Wie er daheim anlangte und in sein Haus eintrat, war das erste, was ihm begegnete, niemand anders als seine jüngste, liebste Tochter: Die kam gelaufen, küsste und herzte ihn(her·zen), und als sie sah, dass er ein singendes, springendes Löweneckerchen mitgebracht hatte, war sie außer sichわれを忘れる vor Freude. Der Vater aber konnte sich nicht freuen, sondern fing an(an|fan·gen) zu weinen und sagte: "Mein liebstes Kind, den kleinen Vogel habe ich teuer gekauft, ich habe dich dafür einem wilden Löwen versprechen müssen, und wenn er dich hat, wird er dich zerreißen引き裂く und fressen," und erzählte(er·zäh·len) ihr da alles wie es zugegangen起こる(zu|ge·hen) war, und bat(bit·ten) sie, nicht hinzugehen, es möchte...かもしれない auch kommen, was da wolle. Sie tröstete慰める(trös·ten) ihn aber und sprach: "Liebster Vater, was Ihr versprochen habt, muss auch gehaltenを守る(hal·ten) werden: Ich will hingehen und will den Löwen schon besänftigenをなだめる, dass ich wieder gesund zu Euch komme."

Am andern Morgen ließ sie sich den Weg zeigen, nahm Abschied und ging getrost泰然として in den Wald hinein. Der Löwe aber war ein verzauberter魔法をかけられ Königssohn und war bei Tag昼間 ein Löwe, und mit ihm wurden alle seine Leute Löwen, in der Nacht aber hatten sie ihre natürliche menschliche Gestalt本来の人間の姿. Bei ihrer Ankunft到着 ward(wer·den) sie freundlich empfangenを迎える und in das Schloss geführt. Als die Nacht kam, war er ein schöner Mann, und die Hochzeit ward mit Pracht華やか gefeiert. Sie lebten vergnügt miteinander, wachten(wa·chen) in der Nacht夜は und schliefen am Tag昼間は. Zu einer Zeit kam er und sagte: "Morgen ist ein Fest祝宴 in deines Vaters Haus, weil deine älteste Schwester sich verheiratet(ver·hei·ra·ten), und wenn du Lust hast hinzugehen, so sollen dich meine Löwen hinführen." Da sagte sie, ja, sie möchte gerne ihren Vater wiedersehen, fuhr hin und ward von den Löwen begleitet同行する. Da war große Freude, als sie ankam, denn sie hatten alle geglaubt(glau·ben), sie wäre von dem Löwen zerrissen worden und schon lange長いこと nicht mehr am Leben. Sie erzählte aber, was sie für einen schönen Mannハンサムな夫 hätte und wie gut es ihr gingeどれほど良い生活, und blieb bei ihnen, so lang die Hochzeit dauerte, dann fuhr sie wieder zurück in den Wald. Wie die zweite Tochter heiratete und sie wieder zur Hochzeit eingeladen(ein|la·den) war, sprach sie zum Löwen: "Diesmal will ich nicht allein sein, du musst mitgehen!" Der Löwe aber sagte, das wäre zu gefährlich危険な für ihn, denn wenn dort der Strahl eines brennenden燃えている Lichts ihn berührteに触れる(be·rüh·ren), so würde er in eine Taube verwandelt(ver·wan·deln) und müsste sieben Jahre lang mit den Tauben fliegen. "Ach," sagte sie, "geh nur mit mir! Ich will dich schon hütenを守る und vor allem Licht bewahrenから守る." Also zogen移動する sie zusammen und nahmen auch ihr kleines Kind mit. Sie ließ dort einen Saal mauernれんがで築く, so stark und dick頑丈で厚い, dass kein Strahl durchdringen貫き通す konnte, darin sollt' er sitzen, wann die Hochzeitslichter angestecktに火をつける(an|ste·cken) würden. Die Tür aber war von frischem Holz gemacht, das sprangひびが入る und bekam(be·kom·men) einen kleinen Ritz裂け目, den kein Mensch bemerkte(be·mer·ken). Nun ward die Hochzeit mit Pracht gefeiert, wie aber der Zug行列 aus der Kirche zurückkam mit den vielen Fackeln松明(Fa·ckel) und Lichtern an dem Saal vorbei通り過ぎる, da fiel(fal·len) ein haarbreiter Strahl髪の毛ほどの光 auf den Königssohn, und wie dieser Strahl ihn berührt hatte, in dem Augenblick一瞬のうち war er auch verwandelt, und als sie hineinkam und ihn suchte, sah sie ihn nicht, aber es saß(sit·zen) da eine weiße Taube. Die Taube sprach zu ihr: "Sieben Jahr muss ich in die Welt fortfliegen; alle sieben Schritte7歩ごとに aber will ich einen roten Blutstropfen血の滴 und eine weiße Feder羽毛 fallen lassen, die sollen dir den Weg zeigen, und wenn du der Spur足跡 folgst, kannst du mich erlösenを救い出す."

Da flog die Taube zur Tür hinaus(hi·naus|flie·gen), und sie folgte ihr nach, und alle sieben Schritte fiel ein rotes Blutströpfchen und ein weißes Federchen herab下へ und zeigte ihr den Weg. So ging sie immerzu in die weite Welt hinein und schaute nicht um sichを見回す(schau·en) und ruhte nicht, und waren fast die sieben Jahre herum過ぎ去って: Da freute sie sich und meinte, sie wären bald erlöst, und war noch so weit davon. Einmal, als sie so fortging, fiel kein Federchen mehr und auch kein rotes Blutströpfchen, und als sie die Augen aufschlug目を見開く(auf|schla·gen), so war die Taube verschwunden(ver·schwin·den). Und weil sie dachte: Menschen können dir da nicht helfen, so stieg sie zur Sonne hinauf und sagte zu ihr: "Du scheinst in alle Ritzen und über alle Spitzen山頂, hast du keine weiße Taube fliegen sehen?" - "Nein," sagte die Sonne, "ich habe keine gesehen, aber da schenk ich dir ein Kästchen小箱, das mach auf, wenn du in großer Not窮する bist." Da dankte sie der Sonne und ging weiter, bis es Abend war und der Mond schien, da fragte sie ihn: "Du scheinst(schei·nen) ]a die ganze Nacht und durch alle Felder野原 und Wälder, hast du keine weiße Taube fliegen sehen?" - "Nein," sagte der Mond, "ich habe keine gesehen, aber da schenk ich dir ein Ei, das zerbrich(zer·bre·chen), wenn du in großer Not bist." Da dankte sie dem Mond und ging weiter, bis der Nachtwind夜風 herankam(he·ran|kom·men) und sie anblies(an|bla·sen). Da sprach sie zu ihm: "Du wehst風が吹く(we·hen) ja über alle Bäume und unter allen Blättern weg, hast du keine weiße Taube fliegen sehen?" - "Nein," sagte der Nachtwind, "ich habe keine gesehen, aber ich will die drei andern Windeの 3 つの風 fragen, die haben sie vielleicht gesehen." Der Ostwind und der Westwind kamen und hatten nichts gesehen, der Südwind aber sprach: "Die weiße Taube habe ich gesehen, sie ist zum Roten Meer紅海 geflogen(flie·gen), da ist sie wieder ein Löwe geworden, denn die sieben Jahre sind herum, und der Löwe steht dort im Kampf mit einem Lindwurm, der Lindwurm ist aber eine verzauberte Königstochter魔法をかけられた王様の娘." Da sagte der Nachtwind zu ihr: "Ich will dir Rat geben助言する, geh zum Roten Meer紅海, am rechten Ufer右岸に da stehen große Ruten細長い枝, die zähle, und die elfte schneid ab(ab|schnei·den) und schlag den Lindwurm damit, dann kann ihn der Löwe bezwingen屈服させる, und beide bekommen auch ihren menschlichen Leib wieder. Hernach schau dich um(um|schau·en), und du wirst den Vogel Greifグライフ鳥 sehen, der am Roten Meer sitzt, schwing dichに飛び乗る mit deinem Liebsten auf seinen Rücken; der Vogel wird euch übers Meer海を越えて nach Haus tragen. Da hast du auch eine Nuss木の実, wenn du mitten über dem Meere bist, lass sie herabfallen(he·rab|fal·len), alsbald wird sie aufgehen芽を出す, und ein großer Nussbaum wird aus dem Wasser hervor wachsen成長する, auf dem sich der Greif ausruht(aus|ru·hen); und könnte er nicht ruhen, so wäre er nicht stark genug, euch hinüberzutragen向こう側へ. Und wenn du vergisst(ver·ges·sen), die Nuss herab zuwerfen(zu|wer·fen), so lässt er euch ins Meer fallen."

Da ging sie hin und fand alles, wie der Nachtwind gesagt hatte夜風が言ったとおりに. Sie zahlte die Ruten am Meer und schnitt die elfte ab, damit schlug sie den Lindwurm, und der Löwe bezwang ihn; alsbald hatten beide ihren menschlichen Leib wieder. Aber wie die Königstochter, die vorher ein Lindwurm gewesen war, vom Zauber frei war, nahm sie den Jüngling in den Arm, setzte sich auf den Vogel Greifグリフィン und führte ihn mit sich fort(fort|fah·ren). Da stand die arme Weitgewanderte遠くまで来た娘 und war wieder verlassen見捨てる und setzte sich nieder(nie·der|set·zen) und weinte. Endlich aber ermutigte sie sich勇気づける(er·mu·ti·gen) und sprach: "Ich will noch so weit gehen, als der Wind weht風が吹く限り und so lange als der Hahn kräht鶏が鳴く限り(krä·hen), bis ich ihn finde." Und ging fort lange, lange Wege, bis sie endlich zu dem Schloss kam, wo beide zusammen lebten(le·ben). Da hörte sie, dass bald ein Fest wäre, wo sie Hochzeit miteinander machen wollten. Sie sprach aber: "Gott hilft mir noch," und öffnete das Kästchen, das ihr die Sonne gegeben hatte, da lag(lie·gen) ein Kleid darin, so glänzend輝かしい wie die Sonne selber. Da nahm sie es heraus(he·raus|neh·men) und zog es an(an|zie·hen) und ging hinauf(hi·nauf|ge·hen) in das Schloss und alle Leute und die Braut selber花嫁自身 sahen(an|se·hen) sie mit Verwunderung驚いて an. Und das Kleid gefiel der Braut so gut, dass sie dachte, es könnte ihr Hochzeitskleid geben, und fragte, ob es nicht feil wäre金で買える. "Nicht für Geld und Gut," antwortete sie," aber für Fleisch und Blut肉と血." Die Braut fragte, was sie damit meinteを意味する. Da sagte sie: "Lasst mich eine Nacht in der Kammer schlafen, wo der Bräutigam花婿 schläft." Die Braut wollte nicht und wollte doch gerne das Kleid haben, endlich willigte sie einに同意する(ein|wil·li·gen), aber der Kammerdiener musste dem Königssohn einen Schlaftrunk睡眠薬 geben. Als es nun Nacht war und der Jüngling schon schlief, ward sie in die Kammer geführt. Da setzte sie sich ans Bett und sagte: "Ich bin dir nachgefolgt(nach|fol·gen) sieben Jahre, bin bei Sonne und Mond und bei den vier Winden gewesen und habe nach dirあなたについて gefragt und habe dir geholfen(hel·fen) gegen den Lindwurmリンドワームから; willst du mich denn ganz vergessen?" Der Königssohn aber schlief so hart, dass es ihm nur vorkamのように思われる(vor|kom·men), als rauschte der Windがざわめく(rau·schen) draußen in den Tannenbäumenモミの木. Wie nun der Morgen anbrach, da ward sie wieder hinausgeführt und musste das goldene Kleid hingebenささげる. Und als auch das nichts geholfen hatte役に立たない, ward sie traurig, ging hinaus auf eine Wiese草地, setzte sich da hin und weinte. Und wie sie so saß, da fiel ihr das Ei noch ein, das ihr der Mond gegeben hatte. Sie schlug es auf(auf|schla·gen), da kam eine Glucke heraus mit zwölf Küchleinひなを連れためんどり ganz von Gold, die liefen(lau·fen) herum und pieptenぴぃぴぃ鳴く und krochen(krie·chen) der Alten wieder unter die Flügel翼の下に, so dass nichts Schöneres auf der Welt zu sehen war. Da stand sie auf(auf|ste·hen), trieb sie auf der Wieseへ追い立てる(trei·ben) vor sich her目の前の, so lange, bis die Braut aus dem Fenster sah, und da gefielen(ge·fal·len) ihr die kleinen Küchlein so gut, dass sie gleich herabkam下へ来る und fragte, ob sie nicht feil wären. "Nicht für Geld und Gut, aber für Fleisch und Blut; lasst mich noch eine Nacht in der Kammer schlafen wo der Bräutigam schläft!" Die Braut sagte ja und wollte sie betrügen欺く wie am vorigen Abend前の晩のように. Als aber der Königssohn zu Bett ging, fragte er seinen Kammerdiener, was das Murmeln und Rauschenつぶやきやざわめき in der Nacht gewesen sei. Da erzählte der Kammerdiener alles, dass er ihm einen Schlaftrunk hätte geben müssen, weil ein armes Mädchen heimlichひそかに in der Kammer geschlafen hätte, und heute Nacht sollte er ihm wieder einen geben! Sagte der Königssohn: "Gieß den Trankこぼす(gie·ßen) neben das Bett!" Zur Nacht wurde sie wieder hereingeführt und als sie anfing zu erzählen, wie es ihr traurig ergangen悲しい出来事 wäre, da erkannte er gleich an der Stimmeだと声で分かる(er·ken·nen) seine liebe Gemahlin, sprang auf und rief: "Jetzt bin ich erst recht erlöst本当に解放する(er·lö·sen), mir ist gewesen wie in einem Traum, denn die fremde Königstochter見知らぬ(fremd)王女 hatte mich bezaubertを魅了する(be·zau·bern) dass ich dich vergessen musste, aber Gott hat noch zu rechter Stundeちょうどよい時に die Betörung迷い von mir genommen."

Rene Cloke (1947) (Quelle: https://grimmbilder.fandom.com/de/wiki/Das_singende_springende_L%C3%B6weneckerchen_(Illustrationen))
Da gingen sie beide in der Nacht heimlich aus dem Schloss, denn sie fürchteten sich vor demを恐れている(fürch·ten) Vater der Königstochter, der ein Zauberer war, und setzten sich auf den Vogel Greif, der trug(tra·gen) sie über das Rote Meer, und als sie in der Mitte waren, ließ(las·sen) sie die Nuss fallen. Alsbald wuchs ein großer Nussbaum成長する(wach·sen), darauf ruhte sich休むことができる(ru·hen) der Vogel und dann führte er sie nach Haus, wo sie ihr Kind fanden(fin·den), das war groß und schön geworden, und sie lebten von nun an vergnügt幸せに bis an ihr Ende.