Es war einmal ein armer Holzhacker, der arbeitete vom Morgen bis in die späte Nacht. ...

Trainieren Ihr Hörverstehen
        




Der Geist im Glas

Es war einmal ein armer Holzhackerきこり, der arbeitete vom Morgen bis in die späte Nacht夜遅くまで. Als er sich endlich etwas Geld zusammengespart蓄える(spa·ren) hatte, sprach er zu seinem Jungen: "Du bist mein einziges Kind, ich will das Geld, das ich mit saurem Schweiß汗水たらして(sau·er) erworben(er·wer·ben) habe, zu deinem Unterricht教育 anwenden使う(an|wen·den); lernst du etwas Rechtschaffenesきちんとした, so kannst du mich im Alter ernähren扶養する, wenn meine Glieder手足(Glied) steif硬直した geworden sind und ich daheim sitzen muß." Da ging der Junge auf eine hohe Schule und lernte fleißig熱心に, so daß ihn seine Lehrer rühmten(rüh·men), und blieb eine Zeitlang dort. Als er ein paar Schulen durchgelernt hatteいくつかの学校で学んだ, doch aber noch nicht in allem全てにおいて vollkommen完璧な war, so war das bißchen Armutわずかなお金, das der Vater erworben hatte, draufgegangen, und er mußte wieder zu ihm heimkehren. "Ach," sprach der Vater betrübt悲しげに, "ich kann dir nichts mehr geben und kann in der teuren Zeit厳しい時世 auch keinen Heller mehr verdienen als das tägliche Brot日々の糧以外にぐ稼." - "Lieber Vater," antwortete der Sohn, "macht Euch darüber keine Gedanken, wenn's Gottes Wille also ist, so wird's zu meinem Besten ausschlagen ; ich will mich schon dreinschicken甘んじて受ける." Als der Vater hinaus in den Wald wollte, um etwas am Malterholz (am Zuhauen und Aufrichten) zu verdienen, so sprach der Sohn: "Ich will mit Euch gehen und Euch helfen." - "Ja, mein Sohn," sagte der Vater, "das sollte dir beschwerlichほねのおれる ankommen襲う, du bist an harte Arbeit nicht gewöhnt, und hältst das nicht aus耐えられない(aus|hal·ten); ich habe auch nur eine Axt und kein Geld übrig残っている, um noch eine zu kaufen." - "Geht nur zum Nachbar," antwortete der Sohn, "der leiht(lei·hen) Euch seine Axt so lange, bis ich mir selbst eine verdient habe."

Illustration von Otto Ubbelohde, 1909
Da borgte借りる(bor·gen) der Vater beim Nachbar eine Axt, und am andern Morgen, bei Anbruch des Tages夜明け, gingen sie zusammen hinaus in den Wald. Der Sohn half(hel·fen) dem Vater und war ganz munter元気のよい und frisch dabei. Als nun die Sonne über ihnen stand, sprach der Vater: "Wir wollen rasten休息する und Mittag halten, hernachそのあとで geht's noch einmal so gut." Der Sohn nahm sein Brot in die Hand und sprach: "Ruht Euch nur aus, Vater, ich bin nicht müde, ich will in dem Wald ein wenig auf und abあちこち gehen und Vogelnester(Vo·gel·nest) suchen." - "O du Geck,"とんま sprach der Vater, "was willst du da herumlaufenあちこち歩き回る, hernach bist du müde und kannst den Arm nicht mehr aufhebenを持ち上げる; bleib hier und setze dich zu mir!"

Der Sohn aber ging in den Wald, (es·sen) sein Brot, war ganz fröhlich und sah in die grünen Zweige hinein, ob er etwa ein Nest entdeckte(ent·de·cken). So ging er hin und her, bis er endlich zu einer großen, gefährlichen物騒な Eiche樫の木 kam, die gewiß schon viele hundert Jahre alt war確かに数百年はたっている und die keine...ない fünf Menschen umspannt張り巡らす hätten. Er blieb stehen(ste·hen|blei·ben) und sah sie an und dachte: Es muß doch mancher Vogel sein Nest hineingebaut作り付ける(ein|bau·en) haben. Da war ihm auf einmal突然に, als hörte er eine Stimme. Er horchte耳を澄ます(hor·chen) und vernahm耳にする(ver·neh·men), wie es mit so einem recht dumpfen Tonかなり鈍い音 rief: "Laß mich heraus, laß mich heraus!" Er sah sich ringsum周りをぐるりと, konnte aber nichts entdecken, doch es war ihm, als ob die Stimme unten aus der Erde地面の下 hervorkäme(vor|kom·men). Da rief er: "Wo bist du?" Die Stimme antwortete: "Ich stecke da unten bei den Eichwurzeln樫の根(Wur·zel). Laß mich heraus, laß mich heraus!" Der Schüler fing an, unter dem Baum aufzuräumen(auf|räu·men) und bei den Wurzeln zu suchen, bis er endlich in einer kleinen Höhlungくぼみ eine Glasflascheガラス瓶 entdeckte. Er hob(he·ben) sie in die Höhe und hieltにかざす sie gegen das Licht, da sah er ein Ding何か, gleich einem Froschカエル gestaltet形をした, das sprang darin auf und nieder上に下に. "Laß mich heraus, laß mich heraus!" rief's von neuem更に, und der Schüler, der an nichts Böses dachte危険だと思いもしない, nahm den Pfropfen von der Flasche ab(ab|neh·men). Alsbald stieg ein Geist heraus und fing an(an|fan·gen) zu wachsen und wuchs(wach·sen) so schnell, daß er in wenigen Augenblicken数 秒 の うち に als entsetzlicher Kerl恐ろしい男, so groß wie der halbe Baum, vor dem Schüler stand. "Weiß du," rief er mit einer fürchterlichen(fürch·ter·lich) Stimme, "was dein Lohn報酬 dafür ist, daß du mich herausgelassen hast?" - "Nein," antwortete der Schüler ohne Furcht, "wie soll ich das wissen?" 知るわけない- "So will ich dir's sagen," rief der Geist, "den Hals muß ich dir dafür brechen折る." - "Das hättest du mir früher sagen sollen早く言うべき," antwortete der Schüler, "so hätte ich dich stekken lassen; mein Kopf aber soll vor dir wohl feststehenは確実である, da müssen mehr Leute gefragt werden." - "Mehr Leute hin, mehr Leute her," rief der Geist, "deinen verdienten Lohnに値する報酬, den sollst du haben. Denkst du, ich wäre aus Gnade温情から da so lange Zeit eingeschlossen(ein|schlie·ßen) worden, nein, es war zu meiner Strafe; ich bin der großmächtige Merkurius偉大なるメルクリウス. Wer mich losläßt(los|las·sen), dem muß ich den Hals brechen." - "Sachte,"まあまあ antwortete der Schüler, "so geschwind急いで geht das nicht, erst muß ich auch wissen, daß du wirklich in der kleinen Flasche gesessen(sitzen) hast und daß du der rechte Geist本物の精霊 bist; kannst du auch wieder hinein, so will ich's glauben, und dann magst du mit mir anfangen, was du willst." Der Geist sprach voll Hochmut見下す: "Das ist eine geringe Kunstわけないこと," zog sich zusammen伸縮する(zie·hen) und machte sich so dünnやせた und klein, wie er anfangs gewesen war最初と同じくらい, alsoということは daß er durch dieselbe Öffnung und durch den Hals der Flasche wieder hineinkroch奥へ進(krie·chen). Kaum aberするやいなや war er darin, so drückte押す(auf|dru·cken) der Schüler den abgezogenen抜き取る(ab|zie·hen) Pfropfen wieder auf und warf die Flasche unter die Eichwurzeln樫の木の根元 an ihren alten Platzもとあった場所, und der Geist war betrogen(be·trü·gen).

Nun wollte der Schüler zu seinem Vater zurückgehen, aber der Geist rief ganz kläglich悲痛な: "Ach, laß mich doch heraus, laß mich doch heraus!" - "Nein," antwortete der Schüler, "zum zweiten Male nicht: Wer mir einmal nach dem Leben gestrebt..しようとした(stre·ben) hat, den laß ich nicht los, wenn ich ihn wieder eingefangen habe." - "Wenn du mich freimachst," rief der Geist, "so will ich dir soviel geben, daß du dein Lebtagの生涯 genug hast." - "Nein," antwortete der Schüler, "du würdest mich betrügen, wie das erste Mal." - "Du verscherzestを失う(ver·scher·zen) dein Glück," sprach der Geist, "ich will dir nichts tun, sondern dich reichlichたっぷりと belohnen!" Der Schüler dachte: Ich will's wagen思いきってする, vielleicht hält er Wort, und anhaben soll er mir doch nichts危害は加えない. Da nahm er den Pfropfen ab(ab|neh·men) und der Geist stieg wie das vorige Mal以前と同じように heraus, dehnte sich伸ばす(deh·nen) auseinander次から次へと und ward(wer·den) groß wie ein Riese. "Nun sollst du deinen Lohn haben," sprach er und reichte dem Schülerを手渡す(rei·chen) einen kleinen Lappen布切れ, ganz wie ein Pflaster絆創膏, und sagte: "Wenn du mit dem einen Ende eine Wunde傷口 bestreichst塗り付ける, so heiltを治す(hei·len) sie; und wenn du mit dem andern Ende Stahl und Eisen鋼や鉄 bestreichst, so wird es in Silber verwandelt(ver·wan·deln)." - "Das muß ich erst versuchen," sprach der Schüler, ging an einen Baum, ritzte die Rindeにかき傷を負わせる(rit·zen) mit seiner Axt und bestrich(be·strei·chen) sie mit dem einen Ende des Pflasters; alsbald schloß sie sich閉じた(傷口) wieder zusammen und war geheilt(hei·len). "Nun, es hat seine Richtigkeitそれは正しい," sprach er zum Geist, "jetzt können wir uns trennen別れる." Der Geist dankte ihm für seine Erlösung, und der Schüler dankte dem Geist für sein Geschenk und ging zurück zu seinem Vater.

"Wo bist du herumgelaufen?" sprach der Vater; "warum hast du die Arbeit vergessen? Ich habe es ja gleich gesagt, daß du nichts zustande bringen成し遂げる würdest." - "Gebt Euch zufriedenまあまあ, Vater, ich will's nachholen埋め合わせる." - "Ja, nachholen," sprach der Vater zornig, "das hat keine Art."そんなことは出来ない - "Habt acht気をつけて, Vater, den Baum da will ich gleich umhauen切り倒す, daß er krachen裂ける soll." Da nahm er sein Pflaster, bestrich die Axt damit und tat einen gewaltigen Hieb力強く打ち込み; aber weil das Eisen in Silber verwandelt war, so legte sich die Schneide um刃を折り曲げる(um|le·gen). "Ei, Vater, seht einmal, was habt Ihr mir für eine schlechte Axt gegeben, die ist ganz schiefゆがむ geworden." Da erschrak(er·schre·cken) der Vater und sprach: "Ach, was hast du gemacht! Nun muß ich die Axt bezahlen und weiß nicht womit; das ist der Nutzen, den ich von deiner Arbeit habe." - "Werdet nicht bös(bö·se)," antwortete der Sohn, "die Axt will ich schon bezahlen." - "O du Dummbart," rief der Vater, "wovon willst du sie bezahlen? Du hast nichts, als was ich dir gebe; das sind Studentenkniffe学生の屁理屈, die dir im Kopf stecken, aber vom Holzhacken木こりについて hast du keinen Verstand."

Über ein Weilchen sprach der Schüler: "Vater, ich kann doch nichts mehr arbeiten, wir wollen lieber Feierabend machen仕事を終える." - "Ei was,"何だって antwortete er, "meinst du, ich wollte die Hände in den Schoß legen wie du? Ich muß noch schaffen, du kannst dich aber heimpacken家に荷物を詰める." - "Vater, ich bin zum erstenmal hier in dem Wald, ich weiß den Weg nicht allein, geht doch mit mir!" Weil sich der Zorn gelegt hatte, so ließ der Vater sich endlich bereden相談する und ging mit ihm heim. Da sprach er zum Sohn: "Geh und verkauf die verschändete損ねる(ver·schan·deln) Axt und sieh(se·hen) zu, was du dafür kriegst受け取る(krie·gen); das übrige muß ich verdienen, um sie dem Nachbar zu bezahlen." Der Sohn nahm die Axt und trug(tra·gen) sie in die Stadt zu einem Goldschmied(tra·gen), der probierte(pro·bie·ren) sie, legte sie auf die Waageはかり und sprach: "Sie ist vierhundert Taler wert, soviel habe ich nicht bar." Der Schüler sprach: "Gebt mir, was Ihr habt, das übrige will ich Euch borgen貸す." Der Goldschmied gab ihm dreihundert Taler und blieb einhundert schuldig借りがある. Darauf ging der Schüler heim und sprach: "Vater, ich habe Geld, geht und fragt, was der Nachbar für die Axt haben will." - "Das weiß ich schon," antwortete der Alte, "einen Taler sechs Groschen." - "So gebt ihm zwei Taler zwölf Groschen, das ist das Doppelte und ist genug; seht Ihr, ich habe Geld im Überflußたくさんある," und gab dem Vater einhundert Taler und sprach: "Es soll Euch niemals fehlen不自由する, lebt nach Eurer Bequemlichkeit快適に." - "Mein Gott," sprach der Alte, "wie bist du zu dem Reichtum財産 gekommen?" Da erzählte er ihm, wie alles zugegangen起きたこと(zu|ge·hen) wäre und wie er im Vertrauen aufを信用して sein Glück einen so reichen Fang収穫 getan hätte. Mit dem übrigen Geld aber zog er wieder hin(hin|zie·hen) auf die hohe Schule und lernte weiter, und weil er mit seinem Pflaster alle Wunden heilen konnte, ward er der berühmteste Doktor auf der ganzen Welt.