Berg und Tal begegnen sich nicht, wohl aber die Menschenkinder, zumal gute und böse. ...

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Die beiden Wanderer

Illustration von Hermann Paul Hey,(1916)
Berg und Tal begegnen出会う sich nicht, wohl aber die Menschenkinder(神の子としての)人間, zumal gute und böse. So kam auch einmal一度起きた ein Schuster und ein Schneider靴職人と仕立て屋 auf der Wanderschaft旅の途中で zusammen. Der Schneider war ein kleiner hübscher Kerl小柄でハンサムな青年 und war immer lustig und guter Dinge陽気で上機嫌. Er sah den Schuster von der andern Seite herankommen, und da er an seinem Felleisen革製のカバン merkte, was er für ein Handwerk trieb仕事を営む(trei·ben), rief(zu|ru·fen) er ihm ein Spottliedchenふざけた(Spott)歌 zu:

"nähe mir die Naht縫い目を縫ってくれ, ziehe mir den Draht(針金状の糸)を引っ張れ, streich ihn rechts und links mit Pechその糸を左右に松ヤニでこすって塗れ, schlag'schlag mir fest den Zweck(鋲・くぎ)をしっかり打ち込め."

Der Schuster aber konnte keinen Spaß vertragen冗談(Spaß)が通じない, er verzogしかめる(ver·zie·hen) ein Gesicht, als wennまるでのように er Essig getrunken hätte, und machte Miene顔つきをする, das Schneiderlein am Kragen襟首を zu packen. Der kleine Kerl fing aber an zu lachen, reichteを手渡す ihm seine Flasche und sprach: "Es ist nicht bös gemeint, trink einmal und schluck飲み込む(schlu·cken) die Galle不機嫌 hinunter." Der Schuster tat einen gewaltigenごくごくと Schluck, und das Gewitter auf seinem Gesicht fing an sich zu verziehen徐々に消える. Er gab dem Schneider die Flasche zurück und sprach: "Ich habe ihr ordentlichたっぷり zugesprochen飲み(zu|spre·chen), man sagt wohl vom vielen Trinken, aber nicht vom großen Durstのどの渇き. Wollen wir zusammen wandern?" "Mir ist's recht," antwortete der Schneider, "wenn du nur Lust hastその気があれば, in eine große Stadt zu gehen, wo es nicht an Arbeit fehlt仕事に困らない." "Gerade dahin wollte ich auch," antwortete der Schuster, "in einem kleinen Nest片田舎 ist nichts zu verdienen, und auf dem Lande gehen die Leute lieber barfußはだしの." Sie wanderten also zusammen weiter und setzten置く immer einen Fuß vor den andern wie die Wieselイタチ im Schnee.

Zeit genug hatten sie beide, aber wenig zu beißen und zu brechen. Wenn sie in eine Stadt kamen, so gingen sie umher周り und grüßtenに挨拶する(grü·ßen) das Handwerk職人, und weil das Schneiderlein so frisch und munter快活な aussah(aus|se·hen) und so hübsche rote Backen赤い頬 hatte, so gab ihm jeder gerne, und wenn das Glück gut war運が良ければ, so gab ihm die Meistertochter親方の娘 unter der Haustüre戸口で auch noch einen Kuß auf den Weg. Wenn er mit dem Schuster wieder zusammentraf, so hatte er immer mehr in seinem Bündel包み. Der griesgrämige気難しい Schuster schnitt(schnei·den) ein schiefesゆがんだ Gesicht und meinte: "Je größer der Schelmひょうきん者, je größer das Glück." Aber der Schneider fing an zu lachen und zu singen und teilte alles, was er bekam, mit seinem Kameraden. Klingelten(klin·geln) nun ein paar Groschen小銭 in seiner Tasche, so ließ er auftragen食卓に出す, schlug vor Freude auf den Tisch, daß die Gläser tanzten, und es hieß bei ihm "leicht verdient und leicht vertan気楽にもうけ気楽に使う."

Als sie eine Zeitlang gewandert waren, kamen sie an einen großen Wald, durch...を通って welchen der Weg nach der Königsstadt ging. Es führten導く aber zwei Fußsteige小道 hindurch, davon war der eine一つは sieben Tage lang, der andere nur zwei Tage, aber niemand von ihnen wußte, welcher der kürzere Weg warどちらが近道なのか. Die zwei Wanderer setzten sich unter einen Eichenbaum und ratschlagten, wie sie sich vorsehen und fürを予定する wie viel Tage何日分の sie Brot mitnehmen wollten. Der Schuster sagte: "Man muß weiter denken, als man geht, ich will für sieben Tage Brot mitnehmen." "Was," sagte der Schneider, "für sieben Tage Brot auf dem Rücken schleppenを運ぶ wie ein Lasttier荷役用の動物 und sich nicht umschauen?見回す Ich halte mich an Got神を信じるt und kehre mich an nichts気に留めない. Das Geld, das ich in der Tasche habe, das ist im Sommer so gut als im Winter, aber das Brot wird in der heißen Zeit trocken干からびる und obendreinそのうえ schimmeligかびの生えた. Mein Rock geht auch nicht länger als auf die Knöchel先のことは分からない(比喩的). Warum sollen wir den richtigen Weg正しい道(近道) nicht finden? Für zwei Tage Brot und damit gut." Es kaufte sich also ein jederそこでそれぞれ sein Brot, dann gingen sie auf gut Glück運を天に任せて in den Wald hinein.

In dem Wald war es so still wie in einer Kirche. Kein Wind wehte吹く(we·hen), kein Bach小川 rauschteざわめく(rau·schen), kein Vogel sang, und durch die dichtbelaubten生い茂った(be·laubt) Äste枝(Ast) drang入り込む(drin·gen) kein Sonnenstrahl. Der Schuster sprach kein Wort, ihn drückte(drü·cken) das schwere Brot auf dem Rücken, daß ihm der Schweiß über sein verdrießliches不機嫌な und finsteres陰険な Gesicht herabfloß流れ出る(ab|flie·ßen). Der Schneider aber war ganz munter元気のよい, sprang daher, pfiff(pfei·fen) auf einem Blatt oder sang(sin·gen) ein Liedchen歌(Lied) und dachte: "Gott im Himmel muß sich freuen, daß ich so lustig bin." Zwei Tage ging das so fort(fort|ge·hen), aber als am dritten Tag der Wald kein Ende nehmen wollte終わりたくない(長く続く) und der Schneider sein Brot aufgegessen hatte, so fiel ihm das Herz doch eine Elle tiefer herab一エルほど下へ落ち込む(心が落ち込む); indessenにもかかわらず verlor(ver·lie·ren) er nicht den Mut, sondern verließ sichに頼る(ver·las·sen) auf Gott und auf sein Glück. Den dritten Tag legte er sich abends hungrig unter einen Baum und stieg den andern Morgen hungrig wieder auf. So ging es auch den vierten Tag, und wenn der Schuster sich auf einen umgestürzten倒れる(um|stür·zen) Baum setzte und seine Mahlzeit食事 verzehrteを食べる(ver·zeh·ren), so blieb dem Schneider nichts als das Zusehen見る他ない. Bat er um ein Stückchen Brot, so lachte der andere höhnischあざけり und sagte: "Du bist immer so lustig gewesen, da kannst du auch einmal versuchen, wies tutどんな感じ(wie es tut), wenn man unlustig ist不愉快な時; die Vögel, die morgens zu früh早く singen, die stößt(sto·ßen) abends der Habichtオオタカ," kurz要するに, er war ohne Barmherzigkeit思いやり. Aber am fünften Morgen konnte der arme Schneider nicht mehr aufstehen und vorのあまり Mattigkeitぐったりした kaum ein Wort herausbringen(he·raus|brin·gen); die Backen waren ihm weiß und die Augen rot. Da sagte der Schuster zu ihm: "Ich will dir heute ein Stück Brot geben, aber dafür will ich dir dein rechtes Auge ausstechen掘り取る." Der unglückliche Schneider, der doch gerne sein Leben erhalten wollte, konnte sich nicht anders helfen他に頼る術がない: er weinte noch einmal mit beiden Augen und hielt(hal·ten) sie dann hin, und der Schuster, der ein Herz von Stein hatte, stachを刺す(ste·chen) ihm mit einem scharfen Messer das rechte Auge aus. Dem Schneider kam in den Sinn頭に浮かぶ, was ihm sonstふだんは seine Mutter gesagt hatte, wenn er in der Speisekammer食品貯蔵室 genaschtつまみ食いする(na·schen) hatte: "Essen, soviel man mag, und leiden(苦しみ等を〕受ける, was man muß." Als er sein teuer bezahltes Brot高くついたパン verzehrt(ver·zeh·ren) hatte, machte er sich wieder auf die Beine立ち上がる, vergaß(ver·ges·sen) sein Unglück und tröstete sich気を紛らす(trös·ten) damit, daß er mit einem Auge noch immer genug sehen könnte. Aber am sechsten Tag meldete sich兆しを現わす(mel·den) der Hunger aufs neue und zehrte ihmを憔悴させる(auf|zeh·ren) fast das Herz auf. Er fiel abends bei einem Baum nieder, und am siebenten Morgen konnte er sich vor Mattigkeit疲れのあまり nicht erheben立ち上がる, und der Tod saß ihm im Nackenの背後に迫る. Da sagte der Schuster: "Ich will Barmherzigkeit ausübenをしてあげる und dir nochmals Brot geben; umsonst無料で bekommst du es nicht, ich steche dir dafür das andere Auge noch aus." Da erkannte der Schneider sein leichtsinniges Leben, bat den lieben Gott um Verzeihung und sprach: "Tue(tun), was du mußtしたいこと, ich will leiden耐える, was ich muß; aber bedenkeよく考える, daß unser Herrgott nicht jeden Augenblickいつも richtet, und daß eine andere Stundeいつのか kommt, wo die böse Tat vergolten仕返しをする wird, die du an mir verübst..した悪行(ver·üben) und die ich nicht an dir verdient habeそれは..から受ける筋合いでない. Ich habe in guten Tagen順調な日 mit dir geteilt, was ich hatte. Mein Handwerk ist der Art本分, daß Stich muß Stich vertreiben刺しには刺しで追い払う(ver·trei·ben). Wenn ich keine Augen mehr habe, und nicht mehr nähen kann, so muß ich betteln物乞いをする gehen. Laß mich nur..させると, wenn ich blind bin, hier nicht allein liegen, sonst muß ich verschmachten飢えと渇きで死ぬ." Der Schuster aber, der Gott aus seinem Herzen vertriebenを追い払う hatte, nahm das Messer und stach(ste·chen) ihm noch das linke Auge aus. Dann gab er ihm ein Stück Brot zu essen, reichte手渡す(rei·chen) ihm einen Stock und führte ihn hinter sich her.

Illustration von Otto Ubbelohde, 1909
Als die Sonne unterging, kamen sie aus dem Wald, und vor dem Wald auf dem Feld stand ein Galgen絞首台. Dahin leitete連れて行く(lei·ten) der Schuster den blinden盲目の Schneider, ließ ihn dann liegen und ging seiner Wege. Vor Müdigkeit疲れ, Schmerz痛み und Hunger schlief der Unglückliche ein哀れな男 und schlief die ganze Nacht. Als der Tag dämmerte次第に明るくなる(däm·mern), erwachte(er·wa·chen) er, wußte(wis·sen) aber nicht, wo er lag. An dem Galgen hingen zwei arme Sünder哀れな罪人, und auf dem Kopfe eines jeden saß eine Kräheカラス. Da (an|fan·gen)fing(an|fan·gen) der eine an zu sprechen: "Bruder, wachst du?" "Ja, ich wache," antwortete der zweite. "So will ich dir etwas sagen," fing(an|fan·gen) der erste wieder an, "der Tau, der heute Nacht über uns vom Galgen herabgefallen(he·rab|fal·len) ist, der gibt jedem, der sich damit wäscht(wa·schen), die Augen wieder. Wenn das die Blinden wüßten, wie mancherどれだけの人 könnte sein Gesicht wiederhaben再び戻ってくる der nicht glaubt...を信じてない, daß das möglich sei可能になる." Als der Schneider das hörte, nahm er sein Taschentuch, drückte es auf das Gras草の上, und als es mit dem Tau befeuchtet湿らす(be·feuch·ten) war, wusch(wa·schen) er seine Augenhöhlen眼窩 damit. Alsbald ging in Erfüllung実現する, was der Gehenkte gesagt hatte絞首刑に処された(hen·ken)男, und ein Paar frische新しい両目 und gesunde Augen健康な目 fülltenを満たす die Höhlen眼窩. Es dauerte nicht lange, so sah der Schneider die Sonne hinter den Bergen aufsteigen, vor ihm in der Ebene目の前の平原には lag(lie·gen) die große Königsstadt王様の都 mit ihren prächtigen Toren立派な門 und hundert Türmen(Turm), und die goldenen Knöpfe und Kreuze, die auf den Spitzen先端 standen, fingen an zu glühen白熱する. Er unterschied見分ける(un·ter·schei·den) jedes Blatt an den Bäumen, erblickteを見つける(er·bli·cken) die Vögel, die vorbeiflogen飛び去る(flie·gen), und die Mücken, die in der Luft tanzten. Er holte(ho·len) eine Nähnadel縫い針 aus der Tasche, und als er den Zwirn einfädelnを通す konnte, so gut, als er es je gekonnt出来栄えの良い hatte, so sprang sein Herz vor Freude. Er warf sichを下ろす(wer·fen) auf seine Knie, dankte Gott für die erwiesene Gnade示される(er·wei·sen)慈悲 und sprach seinen Morgensegen朝の恵み(Se·gen), er vergaß(vergessen) auch nicht, für die armen Sünder zu bitten, die da hingen wie der Schwengel振子 in der Glocke, und die der Wind aneinander schlug互いにぶつかり合う. Dann nahm er sein Bündel包み auf den Rücken, vergaß(vergessen) bald das ausgestandene耐える(aus|ste·hen) Herzeleid心痛 und ging unter Singen und Pfeifen weiter.

Das erste, was ihm begegnete, war ein braunes Füllen子馬, das frei im Felde herumsprang(sprin·gen). Er packte es an der Mähneたてがみ, wollte sich aufschwingen..する気になる(auf|schwin·gen) und in die Stadt reiten. Das Füllen aber bat(bit·ten) um seine Freiheit: "Ich bin noch zu jung," sprach es, "auch ein leichter軽い(leicht) Schneider wie duあなたのような bricht折る(bre·chen) mir den Rücken entzweiばらばらに, laß mich laufen, bis ich stark geworden bin. Es kommt vielleicht eine Zeit, woいつか ich dirs lohnen報いる kann." "Lauf hin," sagte der Schneider, "ich sehe, du bist auch so ein Springinsfeld青二才." Er gab ihm noch einen Hieb一うち mit der Gerte小枝 über den Rücken, daß es vor Freude mit den Hinterbeinen ausschlugける(aus|schla·gen), über越える Hecken und Gräben生け垣や溝 setzte und in das Feld hineinjagte.

Illustration von Otto Ubbelohde, 1909
Aber das Schneiderlein hatte seit gestern nichts gegessen. "Die Sonne," sprach er, "füllt mir zwar die Augen, aber das Brot nicht den Mund. Das erste, was mir begegnet und halbwegsある程度 genießbar食べられる ist, das muß herhalten甘んじる." Indem..とした schrittゆったりと歩く(schrei·ten) ein Storchコウノトリ ganz ernsthaft厳粛な über die Wiese草原 daher. "Halt, halt," rief der Schneider und packte ihn am Bein, "ich weiß nicht, ob du zu genießen bist, aber mein Hunger erlaubt mir keine~する余地はない lange Wahl, ich muß dir den Kopf abschneiden(ab|schnei·den) und dich braten." "Tue(tun) das nicht," antwortete der Storch, "ich bin ein heiliger Vogel, dem niemand ein Leid危害 zufügt加える, und der den Menschen großen Nutzen利益 bringt. Läßt du mir mein Leben, so kann ich dirs ein andermalいつか別な時に vergeltenに報いる." "So zieh ab立ち去る(ab|zie·hen), Vetter Langbein長足のおじさん," sagte der Schneider. Der Storch erhob sich, ließ die langen Beine hängen und flog(fort|flie·gen) gemächlichゆったりと fort.

"Was soll daraus werden?"どうなるのか sagte der Schneider zu sich selbst, "mein Hunger wird immer größer und mein Magen immer leerer. Was mir jetzt in den Weg kommt, das ist verloren." Indem sah er auf einem Teich ein paar junge Entenアヒル daherschwimmen(schwim·men). "Ihr kommt ja wie gerufenいい時に来た," sagte er, packte eine davon, und wollte ihr den Hals umdrehen(um|dre·hen). Da fingひっかける(fan·gen) eine alte Ente, die in dem Schilf steckte, laut an zu kreischenけたたましく鳴く, schwamm mit aufgesperrtem Schnabel大きく開ける(auf|sper·ren)くちばし herbei und bat ihn flehentlich嘆願するような, sich ihrer lieben Kinder zu erbarmen哀れみ. "Denkst du nicht,"考えてみて sagte sie, "wie deine Mutter jammern嘆く würde, wenn dich einer wegholen連れ去る(weg|ho·len) und dir den Garaus machenとどめを刺す wollte?" "Sei nur still," sagte der gutmütige Schneider, "du sollst deine Kinder behalten手元におく," und setzte die Gefangene wieder ins Wasser.

Als er sich umkehrte振り返る, stand er vor einem alten Baum, der halb hohl半分空洞 war, und sah die wilden Bienen野の蜂 aus- und einfliegen. "Da finde(fin·den) ich gleich den Lohn報酬 für meine gute Tat," sagte der Schneider, "der Honig wird mich laben元気になる." Aber der Weisel女王バチ kam heraus, drohte und sprach: "Wenn du mein Volk anrührst触れる(an|rüh·ren) und mein Nest zerstörst(zer·stö·ren), so sollen dir unsere Stacheln wie zehntausend glühende Nadeln一万本の真っ赤に焼けた針 in die Haut fahren. Läßt du uns aber in Ruhe und gehst deiner Wege, so wollen wir dir ein andermal dafür einen Dienst leisten果たす."

Das Schneiderlein sah見て取る(se·hen), daß auch hier nichts anzufangen(an|fan·gen) war. "Drei Schüsseln leer," sagte er, "und auf der vierten nichts, das ist eine schlechte Mahlzeit." Er schleppte sich体を引きずるようにして行く(schlep·pen) also mit seinem ausgehungerten Magen in die Stadt, und da es ebenちょっと前に zu Mittag läutete鐘が鳴る(läu·ten), so war für ihn im Gasthaus宿屋 schon gekocht(ko·chen), und er konnte sich gleich zu Tisch setzen. Als er satt war, sagte er: "Nun will ich auch arbeiten." Er ging in der Stadt umher, suchte einen Meister親方 und fand auch bald ein gutes Unterkommen勤め口. Da er aber sein Handwerk von Grund aus gelernt hatte, so dauerte es nicht langeそれほど時間はかからない, er ward berühmt, und jeder wollte seinen neuen Rock von dem kleinen Schneider gemacht haben. Alle Tage日々 nahm(zu|neh·men) sein Ansehen名声 zu. "Ich kann in meiner Kunst技術 nicht weiterkommen先へ進む," sprach er, "und doch gehts jeden Tag besser." Endlich bestellte任命する ihn der König zu seinem Hofschneider宮廷仕立て人.

Aber wie's in der Welt geht世の中の巡り合わせ: an demselben Tag同じ日に war sein ehemaliger Kamerad, der Schuster, auch Hofschuster geworden. Als dieser den Schneider erblickte見つける und sah, daß er wieder zwei gesunde Augen hatte, so peinigteさいなむ(pei·ni·gen) ihn das Gewissen良心. "Ehe...する前に er Rache復讐 an mir nimmt," dachte er bei sich selbst, "muß ich ihm eine Grube graben穴を掘る." Wer...する者 aber andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Abends, als er Feierabend gemacht hatte仕事を終える und es dämmerig薄暗い geworden war, schlich er sich忍び足で行く(schlei·chen) zu dem König und sagte: "Herr König, der Schneider ist ein übermütiger調子に乗った Mensch und hat sich vermessen分不相応なこと , er wollte die goldene Krone wieder herbeischaffen取り戻す, die vor alten Zeiten古代に ist verloren gegangen失われた." "Das sollte mir lieb sein," sprach der König, ließ den Schneider am andern Morgen vor sich fordern呼び出す und befahl(be·feh·len) ihm, die Krone wieder herbeizuschaffen, oder für代わりに immer die Stadt zu verlassen. "Oho," dachte der Schneider, "ein Schelm曲者 gibt mehr, als er hat. Wenn der murrköpfige König不機嫌な von mir verlangt(ver·lan·gen) , was kein Mensch leisten kann, so will ich nicht warten bis morgen, sondern gleich heute wieder zur Stadt hinauswandern(aus|wan·dern)." Er schnürte(schnü·ren) also sein Bündel, als er aber aus dem Tor heraus war, so tat es ihm doch leid悔やむ , daß er sein Glück aufgegeben放棄する(auf|ge·ben) und die Stadt, in der es ihm so wohl gegangen war順調だった, mit dem Rücken ansehen背を向ける sollte. Er kam zu dem Teich, wo er mit den Enten Bekanntschaft知り合う gemacht hatte, da saß gerade die Alte, der er ihre Jungen gelassen hatte, am Ufer und putzte sich羽づくろいをする(put·zen) mit dem Schnabelくちばし. Sie erkannte ihn gleich und fragte, warum er den Kopf so hängen lasseうなだれる. "Du wirst dich nicht wundern, wenn du hörst, was mir begegnet ist," antwortete der Schneider und erzählte ihr sein Schicksal宿命. "Wenns weiter nichts ist,"それだけなら sagte die Ente, "da können wir Rat schaffen. Die Krone ist ins Wasser gefallen und liegt unten auf dem Grund, wie bald haben wir sie wieder heraufgeholt(auf|ho·len). Breite(aus|brei·ten) nur derweilその間に dein Taschentuch ans Ufer aus." Sie tauchte潜る(un·ter|tau·chen) mit ihren zwölf Jungen unter , und nach fünf Minuten war sie wieder oben und saß mitten in der Krone, die auf ihren Fittichen ruhte下に置く(ru·hen), und die zwölf Jungen schwammen rund herum, hatten ihre Schnäbel untergelegt下に置く und halfen tragen. Sie schwammen ans Land und legten die Krone auf das Tuch. Du glaubst nicht信 じ な い だ ろ う, wie prächtigどれほど華麗 die Krone war, wenn die Sonne darauf schien, so glänzte sie wie hunderttausend Karfunkelsteineルビー. Der Schneider band(bin·den) sein Tuch mit den vier Zipfeln四隅 zusammen und trug(tra·gen) sie zum König, der in einer Freude war und dem Schneider eine goldene Kette金の鎖 um den Hals hing(hän·gen).

Als der Schuster sah, daß der eine Streich企み mißlungen失敗(misslingen) war, so besann考え直す(be·sin·nen) er sich auf einen zweiten, trat(tre·ten) vor den König und sprach: "Herr König, der Schneider ist wieder so übermütig羽目を外した geworden, er vermißt sich, das ganze königliche Schloß王の宮殿 mit allem, was darin ist, los und fest動く物と動かないもの, innen und außen内も外も, in Wachs蜜蝋 abzubilden模写する." Der König ließ den Schneider kommen und befahl ihm, das ganze königliche Schloß mit allem, was darin wäre, los und fest, innen und außen, in Wachs abzubilden, und wenn er es nicht zustande brächteを成し遂げる, oder es fehlte(feh·len) nur ein Nagel an der Wand, so sollte er zeitlebens生涯 unter der Erde gefangen sitzen. Der Schneider dachte: "Es kommt immer ärger(事態)悪くなる(arg), das hält耐える(aus|hal·ten) kein Mensch aus," warf sein Bündel auf den Rücken und wanderte fort. Als er an den hohlen Baum kam, setzte er sich nieder und ließ den Kopf hängen. Die Bienen kamen herausgeflogen, und der Weisel fragte ihn, ob er einen steifen堅い Hals hätte, weil er den Kopf so schief傾いた hielt(hal·ten). "Ach nein," antwortete der Schneider, "mich drückt etwas anderes." Und erzählte, was der König von ihm gefordert hatte. Die Bienen fingen an untereinander zu summen und zu brummenぶんぶんうなる, und der Weisel sprach: "Geh nur wieder nach Haus, komm aber morgen um diese Zeit wieder und bring(mit|brin·gen) ein großes Tuch mit, so wird alles gut gehen." Da kehrte引き返す(um|keh·ren) er wieder um, die Bienen aber flogen nach dem königlichen Schloß geradezuあからさまに in die offenen Fenster hinein, krochen潜り込む in allen Ecken herum und besahen注意深く見る alles aufs genaueste詳細に. Dann liefen(lau·fen) sie zurück und bildetenを形づくる das Schloß in Wachs nach mit einer solchen Geschwindigkeitものすごい速さで, daß man meinte, es wüchse成長していく(wach·sen) einem vor den Augen. Schon am Abend war alles fertig, und als der Schneider am folgenden Morgen kam, so stand das ganze prächtige Gebäude da, und es fehlte(feh·len) kein Nagel an der Wand und kein Ziegel屋根がわら auf dem Dach; dabei war es zart愛情のこもった und schneeweiß, und rochにおいがする(rie·chen) süß甘い wie Honig. Der Schneider packte es vorsichtig慎重に in sein Tuch und brachte es dem König, der aber konnte sich nicht genugどれだけ〜しても足りない verwundern驚く, stellte配置する(auf|stel·len) es in seinem größten Saal auf und schenkte dem Schneider dafür ein großes steinernes Haus.

Der Schuster ab(aber) ließ nicht nachあきらめない(nach|las·sen)弱まる, ging zum drittenmal zu dem König und sprach: "Herr König, dem Schneider ist zu Ohren gekommen, daß auf dem Schloßhof kein Wasser springen will, da hat er sich vermessen分不相応なことをする, es solle mitten im Hof mannshoch大人の背丈 aufsteigen立ち上る und hell澄んだ sein wie Kristall水晶." Da ließ der König den Schneider herbeiholen und sagte: "Wenn nicht morgen ein Strahl von Wasser水の線 in meinem Hof springt噴き出し, wie du versprochen hast, so soll dich der Scharfrichter死刑執行人 auf demselben Hofその場で um einen Kopf kürzer machen首をはねる(頭分だけ低くする)." Der arme Schneider besann sich nicht lange und eilte(ei·len) zum Tore hinaus, und weil es ihm diesmal ans Leben gehen sollte生死に関わる, so rollten転がる(rol·len) ihm die Tränen über die Backen herab落ちてくる. Indem er so voll Trauer dahinging, kam das Füllen herangesprungen飛び跳ねながら(an|sprin·gen), dem er einmal die Freiheit geschenkt hatte, und aus dem ein hübscher Brauner立派な茶色 geworden war. "Jetzt kommt die Stunde" sprach er zu ihm, "woする時 ich dir deine Guttat vergeltenに報いる kann. Ich weiß schon, was dir fehlt, aber es soll dir bald geholfen werden, sitz nur aufさあ乗って, mein Rücken kann deiner zwei tragen." Dem Schneider kam das Herz wieder, er sprang in einem Satz auf,

Illustration von Otto Ubbelohde, 1909
und das Pferd rennte in vollem Lauf全速力で zur Stadt hinein und geradezu auf den Schloßhof. Da jagte駆り立てる es dreimal rund herum, schnell wie der Blitz稲妻のように, und beim drittenmal stürzte es nieder崩れ(stür·zen)落ちる. In dem Augenblick aber krachteすごい音を立てる es furchtbar凄まじい: ein Stück Erde土の塊 sprang in der Mitte des Hofs wie eine Kugel in die Luft und über das Schloß hinaus, und gleich dahinterher erhob sich吹き上がる(er·he·ben) ein Strahl von Wasser一筋の水 so hoch wie Mann und Pferd, und das Wasser war so rein清潔な wie Kristall, und die Sonnenstrahlen fingen an darauf zu tanzen. Als der König das sah, stand(auf|ste·hen) er vor Verwunderung auf, ging und umarmte抱き締める(um·ar·men) das Schneiderlein im Angesicht aller Menschen.

Aber das Glück dauerte nicht lange. Der König hatte Töchter genug, eine immer schöner als die andere他の娘, aber keinen Sohn. Da begab sich赴く(be·ge·ben) der boshafte悪意のある Schuster zum viertenmal zu dem Könige und sprach: "Herr König, der Schneider läßt nicht ab vonをやめようとしない seinem Üermut思い上がり(Übermut). Jetzt hat er sich vermessen, wenn er wolle, so könne er dem Herrn König einen Sohn durch die Lüfte herbeitragen lassen連れてこさせる." Der König ließ den Schneider rufen und sprach: "Wenn du mir binnen以内に neun Tagen einen Sohn bringen以内に läßt, so sollst du meine äIteste Tochter zur Frau haben." "Der Lohn ist freilich groß," dachte das Schneiderlein, "da täte man wohl ein übriges余分なことをする, aber die Kirschen hängen mir zu hoch: wenn ich danach steige, so bricht unter mir der Ast, und ich falle herab.無理をすれば身を滅ぼす危険な高望み" Er ging nach Haus, setzte sich mit unterschlagenen Beinenあぐらをかく auf seinen Arbeitstisch作業台 und bedachte sich, was zu tun wäre. "Es geht nicht,"無理だ rief er endlich aus, "ich will fort, hier kann ich doch nicht in Ruhe leben." Er schnürte sein Bündel und eilte zum Tore hinaus. Als er auf die Wiesen草原(Wiese) kam, erblickteを見つける er seinen alten Freund, den Storchコウノトリ, der da wie ein Weltweiser世の賢者 auf- und abging行ったり来たり, zuweilen時折 still stand, einen Froschカエル in nähereより詳しい Betrachtung観察 nahm und ihn endlich verschluckteのみ込む. Der Storch kam heran und begrüßte(be·grü·ßen) ihn. "Ich sehe," hub er anし始める(an|he·ben), "du hast deinen Ranzen auf dem Rücken, warum willst du die Stadt verlassen?" Der Schneider erzählte ihm, was der König von ihm verlangt hatte und er nicht erfüllen konnte, und jammerte über sein Mißgeschick不幸な出来事. "Laß dir darüber keine grauen Haare白髪 wachsen," sagte der Storch, "ich will dir aus der Not helfen. Schon lange bringe ich die Wickelkinder幼児 in die Stadt, da kann ich auch einmal einen kleinen Prinzen aus dem Brunnen holen. Geh heim und verhalte dichふるまう ruhigふるまう. Heut über neun Tage begib赴く(be·ge·ben) dich in das königliche Schloß, da will ich kommen." Das Schneiderlein ging nach Haus und war zu rechter Zeit時間通りに in dem Schloß. Nicht lange, so kam der Storch herangeflogenこちらへ飛んで来る(an|flie·gen) und klopfte(klop·fen) ans Fenster. Der Schneider öffnete ihm, und Vetter従兄弟 Langbein stieg侵入する(ein|stei·gen) vorsichtig気をつけて herein und ging mit gravitätischen重々しい Schritten足取り über den glatten Marmorboden滑らかな大理石(Mar·mor)の床; er hatte aber ein Kind im Schnabel, das schön wie ein Engel, und seine Händchen nach der Königin ausstreckteに手を伸ばす(aus|stre·cken). Er legte es ihr auf den Schoß, und sie herzte und küßte es, und war vor Freude außer sich喜びでわれを忘れて. Der Storch nahm, bevor er wieder wegflog(weg|flie·gen), seine Reisetasche旅行かばん von der Schulter herab und überreichte手渡す sie der Königin. Es steckten Tüten紙袋 darin mit bunten色とりどり Zuckererbsen砂糖豆, sie wurden unter...の中で die kleinen Prinzessinnen verteilt分配する, Die äIteste aber erhielt受け取る(er·hal·ten) nichts, sondern bekam den lustigen Schneider zum Mann. "Es ist mir geradeso,"まさにそう思える sprach der Schneider, "als wenn ich das große Los gewonnen hätte一等くじを当てたみたい. Meine Mutter hatte doch recht, die sagte immer, wer auf Gott vertraut信頼する(ver·trau·en) und nur Glück hat運さえあれば, dem kanns nicht fehlen."

Der Schuster mußte die Schuhe machen, in welchen...の中で das Schneiderlein auf dem Hochzeitfest tanzte, hernach ward ihm befohlen(be·foh·len), die Stadt auf immer zu verlassen永久に. Der Weg nach dem Wald führte ihn zu dem Galgen絞首台. Von Zorn怒り, Wut激怒 und der Hitze des Tages ermüdet疲れさせる(er·mü·den), warf er sich nieder身を投げ出す.

Illustration von Otto Ubbelohde, 1909
Als er die Augen zumachte閉じる(zu|ma·chen) und schlafen wollte, stürzten突進する(stür·zen) die beiden Krähen von den Köpfen der Gehenkten絞首刑にされた(hen·ke) mit lautem大きな Geschrei叫び声 herab下へ und hackten掘り出す(aus|ha·cken) ihm die Augen aus. Unsinnig狂ったように rannte(ren·nenn) er in den Wald und muß darin verschmachtet死ぬほど苦しむ(ver·schmach·ten) sein, denn es hat ihn niemand wieder gesehen oder etwas von ihm gehört.