Es war einmal ein reicher Mann, der hatte einen Knecht, der diente ihm fleißig und redlich, ...

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Der Jude im Dorn

Illustration von Bertall(1864)
Es war einmal ein reicher Mann, der hatte einen Knecht, der diente(die·nen) ihm fleißig勤勉な und redlich正直な, war alle Morgen der erste aus dem Bett und Abends der letzte hinein, und wenns eine saure Arbeit難しい仕事く gab, wo keiner anpackenかたづける wollte, so stellte er sich immer zuerst daranふるまう(an|stel·len). Dabeiにもかかわらず klagte(kla·gen) er nicht, sondern war mit allem zufrieden何でも満足し, und war immer lustig. Als sein Jahr herum war一年が過ぎた, gab ihm der Herr keinen Lohn und dachte: "Das ist das gescheidtste賢い(ge·scheit), so spare蓄える(spa·ren) ich etwas, und er geht mir nicht weg私から去らない, sondern bleibt hübschおとなしく続ける im Dienst." Der Knecht schwieg auch still黙っている(still|schwei·gen), that(tun) das zweite Jahr wie das erste seine Arbeit, und als er am Ende desselbenその年の abermals再度 keinen Lohn bekam, ließ er sichs gefallen楽しむ und blieb noch länger. Als auch das dritte Jahr herum war, bedachte sich der Herr, griff in die Tasche, holte aber nichts heraus. Da fieng der Knecht endlich an und sprach: "Herr, ich habe euch drei Jahre redlich gedient, seid so gutお願いします und gebt mir was mir von Rechtswegen zukommt正当に(に与えられる): ich wollte fort und mich gerne weiter in der Welt umsehen." Da antwortete der Geizhalsけちん坊: "Ja, mein lieber Knecht, du hast mir unverdrossen根気よく gedient, dafür sollst du mildiglich belohnet werden手厚く与えられる," griff abermals in die Tasche und zählte数える(auf|zäh·len) dem Knecht drei Heller einzeln1つずつ auf, "da hast du für jedes Jahr einen Heller, das ist ein großer und reichlicher Lohn, wie du ihn bei wenigen Herrnほかの主人のもとで empfangen hättest受け取っていたであろう." Der gute Knecht, der vom Geld wenig verstand, strich sein Capital ein(ein|strei·chen) und dachte: "Nun hast du vollauf in der Tasche, was willst du sorgen und dich mit schwerer Arbeit länger plagen苦労する."

Da zog er fort(fort|zie·hen), bergauf, bergab山を登り下り, sang und sprang nach Herzenslust心ゆくまで. Nun trug es sich zuが起こる(zu|tra·gen), als er an ein Buschwerk茂み vorüber通り過ぎ kam, daß ein kleines Männchen hervortrat現われる(her·vor|tre·ten) und ihn anrief(an|ru·fen): "Wo hinaus, Bruder Lustig? ich sehe du trägst抱える(tra·gen) nicht schwer an deinen Sorgen." - "Was soll ich traurig sein," antwortete der Knecht, "ich habe vollauf, der Lohn von drei Jahren klingelt(klin·geln) in meiner Tasche." - "Wie viel ist denn deines Schatzes?" fragte ihn das Männchen. "Wie viel? drei baare Heller, richtig gezählt." - "Höre," sagte der Zwerg, "ich bin ein armer bedürftiger困窮した Mann, schenke mir deine drei Heller: ich kann nichts mehr arbeiten, du aber bist jung und kannst dir dein Brot leicht verdienen稼ぐ." Und weil der Knecht ein gutes Herz hatte und Mitleid哀れみ mit dem Männchen fühlte感じる(füh·len), so reichte手渡す(rei·chen) er ihm seine drei Heller und sprach: "In Gottes Namen, es wird mir doch nicht fehlen何も困らない." Da sprach das Männchen: "Weil ich dein gutes Herz sehe, so gewähreを与える(ge·wäh·ren) ich dir drei Wünsche, für jeden Heller einen, die sollen dir in Erfüllung gehen実現する." - "Aha," sprach der Knecht, "du bist einer, der blau pfeifen kann魔法が使える. Wohlan, wenns doch sein sollもしそうなら, so wünsche ich mir erstlich ein Vogelrohr鳥用の銃, das alles trifft命中する(tref·fen), wonachに向かって ich zieleねらう(zie·len): zweitens eine Fidel楽器, wenn ich darauf streicheなでる(strei·chen), so muß alles tanzen, was den Klang hört: und drittens, wenn ich an jemand eine Bitte thue(tun), so darf er sie nicht abschlagen断わる." - "Das sollst du alles haben" sprach das Männchen, griff in den Busch, und, denk einer, da lag schon Fidel und Vogelrohr in Bereitschaft, als wenn sie bestellt wären注文され(be·stel·len)たかのように. Er gab sie dem Knecht und sprach: "Was du dir immer erbitten wirst, kein Mensch auf der Welt soll dirs abschlagen."

"Herz, was begehrstほしがる(be·geh·ren) du nun?" sprach der Knecht zu sich selber und zog lustig weiter. Bald daraufそのあと begegnete er einem Juden mit einem langen Ziegenbartヤギひげ, der stand und horchte耳を傾ける(hor·chen) auf den Gesang eines Vogels, der hoch oben in der Spitze eines Baumes saß. "Gottes Wunder!" rief er aus, "so ein kleines Thier hat so eine grausam mächtige Stimme! wenns doch mein wäre! wer ihm doch Salz auf den Schwanz尾 streuenをまく könnte!" - "Wenns weiter nichts ist,"それだけなら問題ない sprach der Knecht, "der Vogel soll bald herunter sein," legte anをねらう(an|le·gen) und traf命中する(tref·fen) aufs Haar, und der Vogel fiel herab in die Dornheckenイバラの茂み(He·cke). "Geh, Spitzbubこの子悪党," sagte er zum Juden, "und hol(ho·len) dir den Vogel heraus." - "Mein," sprach der Jude, "laß der Herr den Bub weg, so kommt ein Hund gelaufen; ich will mir den Vogel auflesen拾って来る, weil ihr ihn doch einmal getroffen habt," legte sich auf die Erde und fieng an sich in den Busch hinein zu arbeiten. Wie er nun mitten in dem Dorn steckte, plagte煩わす der Muthwille故意のいやがらせ den guten Knecht, daß er seine Fidel abnahm und anfieng zu geigen. Gleich fieng(an|fan·gen) auch der Jude an die Beine zu heben und in die Höhe zu springen: und je mehr~すればするほど der Knecht strich, desto besserますますく gieng der Tanz. Aber die Dörnerとげ(Dorn) zerrissen(zer·rei·ßen) ihm den schäbigenぼろぼろの Rock, kämmtenを梳き(käm·men) ihm den Ziegenbart und stachen(ste·chen) und zwicktenつねる ihn am ganzen Leib. "Mein," rief der Jude, "was soll mir das Geigen! laß der Herr das Geigen, ich begehre~したがる(be·geh·ren) nicht zu tanzen." Aber der Knecht hörte nicht darauf und dachte: "Du hast die Leute genug geschundenを酷使する(schin·den), nun soll dirs die Dornhecke nicht besser machen手加減する事はない," und fieng von neuem an zu geigen, daß der Jude immer höher aufspringen mußte, und die Fetzen切れ端 von seinem Rock an den Stachelnとげ hängen blieben. "Au weihうわっ geschrien!" rief der Jude, "geb ich doch dem Herrn, was er verlangt望む(ver·lan·gen), wenn er nur das Geigen läßt, einen ganzen Beutel袋 mit Gold." - "Wenn du so spendabel物惜しみしない bist," sprach der Knecht, "so will ich wohl mit meiner Musik aufhörenをやめる, aber das muß ich dir nachrühmen褒める, du machst deinen Tanz noch mitまだ続ける(mit|ma·chen), daß es eine Art hat見事に〜する;" nahm darauf den Beutel und gieng seiner Wege.

Der Jude blieb stehen und sah ihm nach und war still bis der Knecht weit weg und ihm ganz aus den Augen war, dann schrie er aus Leibeskräften力いっぱい: "Du miserabler Musikantおそまつな(mi·se·ra·bel), du Bierfiedlerバイオリン弾き: wart(war·ten), wenn ich dich allein erwische!を捕らえる(er·wi·schen) ich will dich jagen, daß du die Schuhsohlen verlieren sollst靴底が剥がれるまで: du Lump卑劣なやつ, steck einen Groschen ins Maul, daß du sechs Heller werth bist," und schimpfteののしる weiter was er nur los bringen konnte口から出せる限りの悪口. Und als er sich damit etwas zu Gute gethan気分がよくなった und Luft gemacht hatteうっぷんを晴らす, lief er in die Stadt zum Richter. "Herr Richter, au weih geschrien! seht wie mich見てのとうり auf offener Landstraße ein gottloser Mensch不敬虔な奴 beraubt奪う(be·rau·ben) und übel zugerichtet hatひどい傷をうける(zu|rich·ten): ein Stein auf dem Erdboden möcht sich erbarmenかわいそうに思う: die Kleider zerfetzt!引き裂く(zer·fet·zen) der Leib zerstochen突き砕く(zer·sto·ßen) und zerkratzt!ひっかき傷(zer·krat·zen) mein bischen Armuth私のなけなしの財産 sammt...込みで dem Beutel genommen! lauter純粋な Dukaten, ein Stück schöner als das andere: um Gotteswillen, laßt den Menschen ins Gefängnis牢獄 werfen." Sprach der Richter: "Wars ein Soldat, der dich mit seinem Säbel so zugerichtet(zu|rich·ten) hat?" - "Gott bewahr!"とんでもない sagte der Jude, "einen nackten Degenむき出しの剣 hat er nicht gehabt, aber ein Rohr銃身 hat er gehabt auf dem Buckel hängen und eine Geige am Hals; der Bösewicht悪漢 ist leicht zu erkennen." Der Richter schickte seine Leute nach ihm aus, die fanden den guten Knecht, der ganz langsam weiter gezogen war, und fanden auch den Beutel mit Gold bei ihm. Als er vor Gericht gestellt(stel·len) wurde, sagte er: "Ich habe den Juden nicht angerührt触れる(an|rüh·ren) und ihm das Geld nicht genommen, er hat mirs aus freien Stücken自発的に angeboten(an|bie·ten), damit ich nur aufhörte zu geigen, weil er meine Musik nicht vertragen耐えられる konnte." - "Gott bewahr!" schrie der Jude, "der greift die Lügen wie Fliegen an der Wand." Aber der Richter glaubte es auch nicht und sprach: "Das ist eine schlechte Entschuldigung言い訳, das thut kein Jude," und verurtheilte den guten Knecht, weil er auf offener Straße einen Raub begangen hätte, zum Galgen絞首台. Als er aber abgeführt連行する(ab|füh·ren) ward(werden), schrie ihm noch der Jude zu: "Du Bärenhäuter, du Hundemusikant, jetzt kriegst du deinen wohlverdienten相応の Lohn." Der Knecht stieg ganz ruhig mit dem Henker死刑執行人 die Leiterはしご hinauf, auf der letzten Sproße最後の段(Spros·se) aber drehte(dre·hen) er sich um und sprach zum Richter: "Gewährt(ge·wäh·ren) mir noch eine Bitte, eh ich sterbe." - "Ja," sprach der Richter, "wenn du nicht um dein Leben bittest命乞い." - "Nicht ums Leben," antwortete der Knecht, "ich bitte, laßt mich zu guter Letzt最後に noch einmal auf meiner Geige spielen." Der Jude erhob申し立てる(er·he·ben) ein Zetergeschrei大げさに(Zeter)叫ぶ: "Um Gotteswillen, erlaubts nicht, erlaubts nicht." Alleinしかるに der Richter sprach: "Warum soll ich ihm die kurze Freude nicht gönnen: es ist ihm zugestanden, und dabei soll es sein Bewenden habenそれで終わり." Auch konnte er es ihm nicht abschlagen wegen der Gabe, die dem Knecht verliehen war. Der Jude aber rief: "Au weih! au weih! bindet mich an, bindet mich fest." Da nahm der gute Knecht seine Geige vom Hals, legte sie zurecht整える(zu·recht|le·gen), und wie er den ersten Strichタッチ that, fieng alles an zu wabern動く(bewegen) und zu wanken揺れる, der Richter, die Schreiber書記官, und die Gerichtsdiener執行官: und der Strick縄 fiel dem aus der Hand, der den Juden fest binden wollte:

Illustration von Otto Ubbelohde, 1909
beim zweiten Strich hoben alle die Beine, und der Henker死刑執行人 ließ den guten Knecht los und machte sichの支度をする zum Tanze fertig: bei dem dritten Strich sprang alles in die Höhe und fieng an zu tanzen, und der Richter und der Jude waren vorn先頭に und sprangen am besten. Bald tanzte alles mit, was auf den Markt市場に aus Neugierde好奇心から herbei gekommen war, alte und junge, dicke und magereやせた Leute untereinander互いに: sogar...でさえ die Hunde, die mitgelaufen(mit|lau·fen) waren, setzten sich auf die Hinterfüße und hüpften(hüp·fen) mit. Und je länger er spielte, destoますます höher sprangen die Tänzer, daß sie sich einander an die Köpfe stießen(sto·ßen) und anfiengen(angefangen) jämmerlich悲痛な zu schreien. Endlich rief der Richter ganz außer Athem息切れ(Atem): "Ich schenke dir dein Leben, höre nur auf(auf|hö·ren) zu geigen." Der gute Knecht ließ sich bewegen心を動かされた, setzte die Geige ab(ab|set·zen), hing sie wieder um den Hals und stieg die Leiter herab. Da tratへ歩む(tre·ten) er zu dem Juden, der auf der Erde lag und nach Athem schnappteあえぎながら息をする, und sagte: "Spitzbube悪党, jetzt gesteh白状する(ge·ste·hen) wo du das Geld her hast, oder ich nehme meine Geige vom Hals und fange wieder an zu spielen." - "Ich habs gestohlen, ich habs gestohlen," schrie er, "du aber hasts redlich正当な verdient(ver·die·nen)." Da ließ der Richter den Juden zum Galgen絞首台 führen und als einen Dieb aufhängen.